EM in Poznan: Erster und letzter Wettkampf der Saison

Endlich ist es soweit. Heute befindet sich das Schweizer Ruderteam auf dem Weg nach Polen an den einzigen Elite-Wettkampf der Saison 2020, die Europameisterschaften in Poznan. Doch dies kommt natürlich mit den allgegenwärtigen Anpassungen. Zuschauer sind über die ganze Event-Dauer nicht erlaubt, eigene Athleten-Zelte dürfen nicht aufgestellt werden und Masken sowie Desinfektionsmittel werden ständige Begleiter sein. Diese Massnamen werden gerne eingehalten, wenn man sich dafür nach über einem Jahr endlich wieder mit anderen Nationen messen darf. Denn trainiert wurde viel, auch wenn der Lockdown ein paar Steine in den Weg geworfen hat. Wie der Verband diese Hürden seit meinem letzten Beitrag gemeistert hat und wie die Aussichten auf die EM sind, könnt ihr hier weiterlesen.

Beschäftigungstherapie

Nachdem im März der nationale Lockdown ausgerufen wurde, hiess es für uns erst einmal zwei Wochen Abstand vom Rudern nehmen um die Verschiebung der Olympischen Spiele «verdauen» zu können. Denn das bedeuted auch, dass die internen Selektionen für Tokio wieder auf Null gestellt sind, da man einen Athleten nicht aufgrund 16 Monate alter Leistungen an die Spiele senden kann. Nach dieser Zeit war das Training im Ruderzentrum weiterhin untersagt und jeder von uns versuchte sich zuhause so gut es ging einzurichten. Der Verband versendete jeweils wöchentlich einen Trainingsplan. Ergometer und Krafttraining mit Haushaltsgegenständen war an der Tagesordnung, aber natürlich arbeiteten wir mit alternativen Sportarten wie Fahrradfahren und Laufen weiter an unserer Fitness. Denn solange diese auf Kurs bleibt, hält sich der Schaden für Ruderer in Grenzen.

Zum gleichen Zeitpunkt als Coiffeure wieder Kunden entgegen nehmen durften, konnten auch wir das Training erneut aufnehmen. Nie mehr als fünf Leute in einem Raum war die Vorgabe. Doch abgesehen davon und dem ständigen Desinfizieren aller Gegenstände begann so für uns sehr schnell wieder eine Form von «Alltag». Nun waren aber sämtliche Wettkämpfe der Saison abgesagt und Athleten brauchen auch ein kurzfristiges Ziel auf das sie hintrainieren können. Aus diesem Grund liess sich der Verband eigene Meilensteine einfallen. Von digitalen Rennen auf dem Rudergerät gegen andere Nationen bis zur Silbertour des Alpenbrevet stellten wir uns etlichen Herausforderungen und konnten so einen sonst leeren Sommer gut absolvieren.

Überraschungspaket EM

Die letzten Monate verbrachten wir nun aber im Vierer und schliffen wieder vermehrt an unserer Technik. Wir sind extrem gespannt wie sich diese Fortschritte in den Rennen zeigen werden. Doch wissen wir auch, das es dieses Jahr schwierig ist, Vorhersagen zu treffen. Denn jede Nation hat die Pandemie anderst erlebt und steckt momentan in unterschiedlichen Trainingsphasen. Die Rudernation Grossbritannien, welche später als die Schweiz von der Welle erfasst wurde, nimmt zum Beispiel nicht an der EM teil. So sind wir gespannt was uns in Polen erwartet und freuen uns jetzt schon auf jedes Rennen. Ein klares Ziel für uns ist das A-Finale. Alles Weitere ist offen und wir nehmen, was wir in die Finger bekommen.

Herzlichen Dank fürs Mitlesen und Mitfiebern.

Markus